Samstag, 21. Februar 2015

 Treibland 

"Wenn Cay Steenkamp etwas hasste, dann waren es Menschen, die ihn beim Golf spielen störten."

Verlag: Rowohlt - 495 Seiten - ISBN: 349926708X - Veröffentlichung: 1. März 2014 

Klappentext

Im Hamburger Hafen läuft das Kreuzfahrtschiff "Große Freiheit" ein. An Bord: ein toter Passagier - verstorben an einem geheimnisvollen Virus. Bald herrscht Panik in der Stadt. Kriminalkommissar Adam Danowski, der eigentlich am liebsten am Schreibtisch ermittelt, wird an den Schauplatz beordert. Er kommt einem Verbrechen auf die Spur, das noch unzählige Tote zu fordern droht. Doch das unter Quarantäne gestellte "Pestschiff" darf keiner verlassen, selbst Kommissare nicht, und Danowskis Gegner sorgen mit aller Macht dafür, dass dies so bleibt...

Meine Meinung

In Deutschland haben wir bisher zum Glück nur aus den Medien erfahren, was Krankheiten wie Ebola mit uns anstellen und welche Folgen ein Ausbruch für unsere Gesellschaft haben könnte. Diese und ähnliche Krankheiten sind weit weg. 
Aber was, wenn auf einmal ein Schiff vor einer Metropole anlegt, mit einer Leiche und Erkrankten an Bord, die die passenden Symptome aufweisen?? Die Bedrohung sozusagen direkt vor der Haustür wäre?? 
In Zeiten, in denen der Terror floriert und die Angst vor Anschlägen mit "Killerviren" stetig steigt.. Willkommen an Bord der "Großen Freiheit". 


Leider hat das Buch nicht gehalten, was es versprochen hat bzw. was ich mir von ihm versprochen habe. Nach ewigen Zeiten auf meiner Wunschliste und dann in meinem Bücherregal, war es nun endlich an der Reihe. Die Story trieft vor Potenzial, der mögliche Ausbruch einer Krankheit, die Hunderttausende zu töten droht, direkt im Hamburger Hafen, in einer Blechbüchse gefangen. Wow!! 
Aber wie das Cover verrät, steckt in dem Buch "nur" ein Kriminalroman. Nicht mehr und nicht weniger. Das Buch bringt alles mit, was ein klassischer Krimi eben so aufweist: Viele Charaktere = viele Verdächtige, einen verzwickten, aber bemerkenswert ausgeklügelten Plot und ein unterschiedliches, bereits abgeschriebenes Ermittlerduo (hypersensibler Nerd und trockener Alkoholiker-Witzbold), das den Fall nur auf den Schreibtisch bekommen hat, weil es mit den eigenen Alltag und den Kollegen schon genug um die Ohren hat. 

"Direkt hinter dem Besucherparkplatz war die Deutschlandzentrale eines Rumimporteurs, dessen Markenzeichen eine schwarze Fledermaus war. Sie prangte als überlebensgroße Leuchtfigur auf dem Dach des Bürogebäudes neben dem Präsidium, und wenn er hier aus dem Auto stieg, hatte Danowski manchmal das Gefühl, er müsste sich jetzt entscheiden, ob er für die Polizei oder doch lieber nebenan für Batman arbeiten wollte. Bacardi feeling, never been so easy..."

 Ich hatte beim Lesen leider oft das Gefühl, dass es nicht voran geht. Besonders die ersten Hälfte des Buches ist sehr langatmig und ich habe mich des Öfteren dabei ertappt, dass ich das Buch unbewusst gemieden habe. Wie früher in der Schule, wenn man lernen musste und auf einmal fällt einem ein: ach, die Fenster könnten ja auch mal wieder geputzt werden. In der ganzen Wohnung. Die erste Hälfte liefert im Prinzip nur Hintergrundinformationen zur allgemeinen Situation und den Charakteren. Klar, das muss auch sein, aber mir dauert das zu lange. Besonders wenn ich bedenke, was für ein unterhaltsamer Schreiber Till Raether ist. Wie oft musste ich auf dieser öden ersten Hälfte des Buches lachen?? Überraschend oft. 
"Danowski merkte, dass er auf eine von Finzis alten Geschichten aus der wilden Zeit bei der Sitte überhaupt keine Lust hatte. Meistens endeten sie damit, dass jemand in seinem Erbrochenem unter dem Schreibtisch aufwachte, eine Geschlechtskrankheit bekam oder aufgefordert wurde, die Dienststelle zu wechseln. Oder alles drei innerhalb einer Schicht."
Das Buch beginnt für mich erst mit der zweiten Hälfte und dem ekelerregenden zugrunde gehen einer Figur. Hier flackerte bei mir auch die Hoffnung auf, dass dass das Buch jetzt Gas gibt und mich völlig mitreißt und in seinen Bann zieht. Leider ist dies nicht durchweg eingetroffen, aber das Buch nimmt gegen Ende, als sich alles gegen unseren hypersensiblen Pestbullen Danowski stellt, ordentlich an Fahrt auf und das Ende ist gelungen, was es mir unterm Strich nicht leichter macht ein Urteil zu fällen.
Was mir neben dem teilweise unterhaltsamen Schreibstil noch gefällt sind vor allem zwei Dinge: Raether erschafft einen Auftragsmörder, wie ich ihn mir immer gewünscht habe. Ich werde hier keine Beschreibung abgeben, aber die Figur ist höchst effizient und vor allem extrem unauffällig. Zwar nur als Nebenfigur, aber trotzdem gelungen.
Außerdem herrscht sobald Danowski an Bord des Schiffs ist eine ständige, subtile Bedrohung. Das Gefühl ist sehr beklemmend und erschreckend, wenn ich mir grundsätzlich vorstelle, dass ich mit 2000 wildfremden, gesunden Menschen auf einem Kreuzfahrtschiff bin. Aber dann auch noch mit einem Virus, unter Quarantäne, gezwungen, länger an Bord zu bleiben und die Leute langsam verrückt werden. Nein, danke, ich werde in nächster Zeit sicher keine Kreuzfahrt antreten.

Fazit

Das Buch hat es mir nicht leicht gemacht. Die erste Hälfte war mir zu langatmig, die zweite schon besser. Aber alles in allem ist das Buch für mich nur solide, nicht mehr. Nicht innovativ. Nicht sonderlich spannend. 
Ich denke, dass ich die Fortsetzung "Blutapfel", die am 30. Mai 2015 erscheint, trotzdem lesen werde, weil ich auf Raethers unterhaltsamen Schreibstil vertraue und darauf, dass es besser wird.





Wer ist eigentlich Till Raether?? Das erfahrt ihr hier, auf seiner sehr interessanten Homepage


Was wäre ein Beitrag ohne zumindest einen Filmtipp zum Thema?? Heute das Thema "Viren":



Dazu natürlich beliebig, alles was mit Zombies zu tun hat, die kommen ja nicht von alleine.
  

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