Mittwoch, 25. Februar 2015

Schwarzlicht 

"Für die Handvoll Demonstranten hinter der Absperrung war der Fall klar: Profitgier, Ausbeutung, die korrupte Politik."

Verlag: Wunderlich - 380 Seiten - ISBN: 3805250573 - Veröffentlichung: 20. September 2013 - 1. Teil der Vincent-Veih-Reihe

Klappentext

Opfer: 
Walter Castorp, Ministerpräsident von NRW
Todesursache: 
Ertrunken. Mit oder ohne Fremdeinwirkung?
Ermittler: 
Vincent Veih, 43, groß, sportlich, blond. Mutter: RAF-Terroristin. Vater: unbekannt. Großvater: Nazi.
Soeben zum kommissarischen Leiter des KK11 befördert. Wird von allen Seiten unter Druck gesetzt.
Zeit:
Sechs Tage vor der Wahl. Die Uhr tickt...

Meine Meinung

Wer glaubt, dass in der deutschen Politik immer alles sauber und glatt abläuft?? Wer glaubt, dass "schwarze Kassen" wie 1999 in der CDU passé sind und Korruption nur ein Wort mit 4 Silben ist, aber keine Bedrohung für so ein gut geführtes Land wie Deutschland darstellt?? Alle heben ihre Hände, auf drei, zwei, eins... Jetzt glaubt bitte nicht, dass ich wieder so eine Verschwörungstheorie-Überwachungsstaat-Verfolgungswahn-Geschichte wie "Die Auslöschung der Mary Shelley" gelesen habe. Nein, "Schwarzlicht" erzählt für mich äußerst realistisch, wie Polizei, Wirtschaft und vor allem Politik einander beeinflussen. Letzten Endes wirkt es, als hätte jede Entscheidung einen politischen Hintergrund und Zweck.

Das Buch liest sich wie aus einem Guss: von Anfang bis zum Ende gibt es keinen Moment der Langeweile und die Geschichte verliert nie an Tempo. 81 Kapitel auf 380 Seiten sprechen eine klare Sprache, zack, zack, zack, kein ausschweifendes Geschwafel, immer weiter, immer weiter, wie schon Oliver Kahn zu sagen pflegte. Das gefällt mir. Ich wollte das Buch nicht eine Sekunde aus der Hand legen.
Was mir gefällt ist auch, dass "Schwarzlicht" mal ein Thriller (steht zumindest so auf dem Cover, ich hätte eher Kriminalroman gedacht) ist, der ohne blutige Morde und grausames Gemetzel auskommt. Nicht, dass ich das nicht auch mögen würde, aber ist halt auffallend. 
Sehr erfrischend finde ich auch, dass die Hauptfigur, Vincent Veih, ein relativ "normaler" Ermittler und Mensch ist. Also nichts mit geniegleicher Intelligenz oder übermenschlichen Superkräften. Sportlich ist er, okay, aber ansonsten ein Durchschnittstyp mit Liebesleben, Beziehungsstress und Stress mit der Mutter. Hier hört die Normalität eventuell ein bisschen auf, denn seine Mutter, Brigitte, ist ehemalige RAF-Terroristin und immer noch überzeugt von der alten Gesinnung. Und sein Opa war ein Nazi. Aber sonst ist alles, außer der Jugend auf der Straße, ganz herkömmlich und nicht extraordinär. Interessant ist, dass die während des Kriegs verfassten Briefe des Opas an seine Frau, laut Nachwort von Horst Eckert, "weitgehend wörtlich" aus den Briefen eines Oberwachtmeisters des SS-Polizeiregiments stammen. Grausig.

"Korruption musste nicht bedeuten, sich von der Gegenseite schmieren zu lassen. Oder alle moralischen Maßstäbe über Bord zu werfen, wie es sein Großvater getan hatte. Sie begann im Kleinen, und das war es, was Vincent  an schlechten Tagen so ankotzte."

In der Geschichte finden sich abgesehen von Vincent noch etliche andere Figuren, die noch viel Raum für Fortsetzungen für Geschichten um Vincent Veih bieten.

Fazit

Das Buch macht Spaß. Es ist kurzweilig, durchweg spannend und die spät geklärte Täterfrage setzt dem ganzen noch seine Krone auf. Ich hätte nicht mit dem Verlauf gerechnet. "Schwarzlicht" ist unbedingt lesenswert!! Kann man das Buch einen Geheimtipp nennen?? Ich habe zumindest vorher noch nie etwas vom Buch gehört und freue mich umso mehr, dass übermorgen, also am 27.2. der zweite Teil der Vincent-Veih-Reihe, "Schattenboxer" erscheint.




Besten Dank an die Buchhandlung Feussner

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