Sonntag, 22. März 2015

Die Sirenen von Belfast 

"Die verlassene Fabrik wirkte wie die Vorschau auf eine ungewisse Zukunft, in der die ganze Welt so aussehen würde, eine Zeit, in der es keine Möglichkeit mehr gab, gegen Verrottung anzukämpfen, Verbrennungsmotoren oder Bildröhren zu reparieren." 


Verlag: Suhrkamp - 387 Seiten - ISBN: 3518466127 - Veröffentlichung: 7. März 2015 - Originaltitel: I hear the Sirens in the Street - 2. Teil der "Sean-Duffy"-Reihe

Klappentext

Ein Torso in einem Koffer, ein tätowierter Hautfetzen und eine teuflisch schöne Witwe - Detective Sergeant Sean Duffy ist zurück mit einem Fall, der ihn tief in die Wirren des Nordirlandkonflikts zieht. Er stößt auf skrupellose Geldgeschäfte und familiäre Abgründe. Und bald schon wird er selbst zum Opfer seiner Ermittlungen...

Meine Meinung

Es ist eine Schande. Es ist wirklich eine Schande. Es ist eine Schande, dass ich Adrian McKintys Lesung im Rahmen der diesjährigen lit.Cologne am 18. März verpasst habe. Das passiert mir nicht noch einmal.
Nachdem mich der erste Teil um Sean Duffy so begeistert hat, ist es nur logisch, dass ich auch den zweiten Teil gelesen habe. Und der gefällt mir noch besser. Es macht unbedingt Sinn "Der katholische Bulle" vorher zu lesen, nicht nur, weil es zweifellos ein tolles Buch ist, sondern vor allem, weil hier das Setting geklärt wird: wo und wann spielt die Geschichte, wie ist das Umfeld, was ist los in Nordirland, wer sind die Akteure, usw. . In "Die Sirenen von Belfast" wird nicht mehr darauf eingegangen - gut so, denn nichts nervt mehr als ständiges Wiederholen der Vorgeschichte. Aber auf ein paar Sachen verzichtet McKinty auch in diesem Teil, neben der Rahmenbedingungen, nicht: Wodka Gimlet, Musik und vor allem auf seinen abgefahrenen und durchweg unterhaltsamen Schreibstil - rasant, flapsig und ungemein witzig. Es war wirklich eine Genugtuung für mich, dieses Buch zu lesen. Die Zeit vergeht wie im Fluge. 
Der Plot ist sehr gelungen, ich hatte keine Ahnung, wie das ganze Wirrwarr aus Hinweisen und Fährten verstrickt ist , jedenfalls bis zum großen Feuerwerk am Ende des Buches, das alles aufklärt.
Atmosphärisch schafft es McKinty, trotz verbesserten Arrangement von Duffy zu den ortsansässigen Verbrechern, eine ständige Bedrohung aufrecht zu erhalten. Es könnte schließlich ständig irgendetwas in die Luft fliegen, IRA sei Dank. Nicht zuletzt bewiesen durch ein von Raketenbeschuss zerstörtes Polizeirevier. Dazu werden die Nachbarn aus reiner Langeweile und Ausweglosigkeit schnell zu Lynchmördern. Alles sehr, sehr unschön und sehr realistisch. 
Es gefällt mir sehr gut, wie McKinty die Geschichte weiterhin im Nordirlandkonflikt angesiedelt hat. Dabei bleibt es diesmal aber nicht, sondern auch der Fall "John DeLorean" wird sehr gekonnt in die Geschichte eingebaut. Wir erinnern uns: in Nordirland stand die Fabrik, in der die Zeitmaschine aus "Zurück in die Zukunft", der DeLorean DMC 12, produziert wurde. So ist es nur passend, dass das allseits beliebte Zitat auf der ersten Seite eines Buches in diesem Fall ein Dialog von Marty McFly und Doc Brown aus "Zurück in die Zukunft" ist. Da hatte mich das Buch auch unterbewusst wohl schon überzeugt. 
Ganz nebenbei besetzten zeitgleich die argentinische Armee die Falklandinseln und der Zodiac Killer treibt sein Unwesen in der Bay Area.
Besonders auffallend ist, dass die Musik, im letzen Teil hat Sean Duffy schon bewiesen, dass er ein großer Musikliebhaber ist, noch mehr in den Mittelpunkt rückt. Für jede Lebensphase hat Duffy die passende musikalische Untermalung auf Lager, sei es um eine amerikanische Blondine zu verführen, oder um nach einem miesen Tag mit einem Wodka Gimlet runterzukommen. So ist es nur richtig, dass auch einzelne Kapitel die Namen von Liedern erhalten, so beginnt das erste Kapitel und somit auch das Buch mit "A town called Malice". 


Fazit

Adrian McKinty und Sean Duffy, das passt einfach. Ich habe nichts auszusetzen an dem Buch und das Ende und der Epilog machen neugierig auf den nächsten Teil "Die verlorenen Schwestern", den ich mir sicher nicht entgehen lassen werde. Jetzt schaue ich erstmal "Zurück in die Zukunft" und freue mich auf meinen Trip nach Belfast und Nordirland im Juni.

   




Besten Dank nochmal an Crimenoir für den tollen Tipp :-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen