Sonntag, 12. April 2015

Zerrspiegel 

"Zufrieden liegt er neben ihr, streichelt mit seiner rechten Hand an ihren Beinen entlang, immer weiter nach oben."

Verlag: SüdWestBuch - 231 Seiten - ISBN: 3944264738 - Veröffentlichung: 13. März 2015 

Klappentext

Ein brutaler Überfall stürzt das Leben der neunzehnjährigen Jazz in einen Abgrund voller Angst und Grauen. Gleichzeitig verschwinden ihre Mutter und Schwester - die Polizei steht vor einem schier unlösbaren Rätsel. Wurde die Familie Zielscheibe eines perversen Serienkillers oder steckt ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit hinter dem schrecklichen Geschehen?
Ein gefährliches Katz- und Mausspiel zwischen Jazz und dem wahnsinnigen Mörder beginnt. Sein Plan ist Rache! Ihr Plan ist, zu überleben!

Meine Meinung

Autismus ist in der heutigen Zeit kein Tabuthema mehr. Spätestens seit "Rain Man" und Dustin Hoffman als Black Jack König hat jeder schon einmal von Autismus gehört. 
Asperger ist eine besondere Form des Autismus, Emotionen oder Sarkasmus und Redewendungen können typischerweise nicht richtig gedeutet werden. Und nein, Sheldon Cooper aus "The Big Bang Theory" leidet nach reichlich Recherche im Internet, nicht an Autismus bzw. Asperger, auch wenn er sich komplett so verhält.
Ganz im Gegenteil zu der Hauptfigur in "Zerrspiegel". Jazz ist ein "Aspi" (so nennt sie es, hier ist alles politisch korrekt) und Redewendungen und Emotionen sind nicht ihr Terrain, was im Laufe des Buches immer wieder zu witzigen Situationen führt. Oftmals aber auch zu offensiv, da wirkt es, zu gezwungen witzig.
Katja Montejano verliert keine Zeit und das Buch gibt von der ersten Seite an Vollgas. Zeit oder Ressourcen für Buchseiten werden nicht für unnötige Beschreibungen verschwendet. Super!! So sollte es sein. 
Und dieses Tempo hält die Geschichte bis kurz vor Schluss, Zeit zum Luft holen bleibt kaum. Es geht durchweg Schlag auf Schlag.
Der clevere und planvolle Mörder, der immer einen Schritt voraus scheint, hat alles im Griff. Und die Art und Weise, mit der er seine Opfer tötet, zumindest die, die bewusst auf seiner Abschussliste stehen, ist extrem. Mir fiel während der Lektüre eigentlich nur das Wort "krass" ein. Die Grausamkeit ist wirklich haarsträubend. 
Ein weiteres Plus der Geschichte ist, dass sie am Puls der Zeit ist: "Dark Net" und "Bitcoins" sollten mittlerweile jedem ein Begriff sein. Sehr interessant und vor allem sehr beunruhigend. 
Die Geschichte und das Konstrukt gefallen mir.
So weit, so gut.
Aber es gibt auch Schönheitsfehler, die ich für mich ausgemacht habe. Zum einen gefällt mir der Showdown nicht sonderlich. Es ist grundsätzlich alles nachvollziehbar, wieso es zu der Situation kommt usw. , aber ein glücklicher Umstand kommt mir doch zu zufällig daher, in Anbetracht dessen, dass der Mörder eigentlich immer alles in seinem begummihandschuhten Griff hat. (Ich möchte nicht spoilern, deshalb kann ich nicht auf den Punkt kommen!!)
Und mir fehlt es an Flair. Die Story ist schnell und kurzweilig, ja, da bleibt kaum Platz für Tiefgang bei den Figuren. Soll ja auch nicht so sein. Aber mir fehlt ein bisschen der Flair im Schreibstil. Das ist etwas, das ich nicht erklären kann, was aber zu...


führt. "Zerrspiegel" ist spannend und hat Gänsehautmomente, aber gänzlich gepackt und eine gewisse Schockerstimmung verbreitet hat es nicht.


Besten Dank an Katja Montejano, die mir das Buch  zukommen lassen hat.

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