Freitag, 24. Juni 2016

Richard Price - Cash

"Vier Sweatshirts in einem Pseudotaxi Ecke Clinton Street an der Abfahrt Williamsburg Bridge beim Abschöpfen der kleinen Fische."

512 Seiten - Verlag: Fischer - ISBN: 3596184479 - Veröffentlichung: Oktober 2011 - Originaltitel: Lush Life

Klappentext

Drei Junge Männer werden nachts in der Lower East Side von zwei dunkelhäutigen Jugendlichen überfallen. Einer der drei wird erschossen, die Täter fliehen. Der Hauptzeuge, Eric, verstrickt sich bei der Polizei immer tiefer in Widersprüche. 

Meine Meinung

Es gibt nur einen Grund, warum ich "Cash" gelesen habe. Und das ist nicht der Klappentext, denn die Story klingt, wie eine unter Hunderten. Der Grund ist Richard Price. Sein Buch "Die Unantastbaren" ist laut einiger Blogs, die ich lese und wertschätze, ein Wahnsinnsbuch. Leider habe ich es bisher immer noch nicht gelesen. Also dachte ich mir, dass Richard Price ein guter Autor sein muss. Besonders, da auf dem Buchrücken groß gedruckt steht: "im ersten Anlauf ein amerikanischer Klassiker".
Aber "Cash" ist vor allem eins: laaaang-aaaat-mig. Selten musste ich mich so durch ein Buch schleppen. Es ist weiß Gott nicht alles schlecht, aber der Großteil ist vor allem eins: einschläfernd. Spannung? Fehlanzeige. Überraschungen? Nee. Ich erwarte von einem hochgelobten Buch mehr Einfallsreichtum und Kreativität. Vielleicht habe ich mir wegen der tollen Kritik von wegen Klassiker zu viel von dem Buch erwartet. 
"Cash" ist sehr realistisch. Und das soll es auch sein. Ein bisschen wie "The Wire". Mir gefallen die Reaktionen der Akteure, besonders der Hauptfigur Eric Cash, der sich wahrscheinlich langweilig realistisch verhält. Aber das hilft auch nicht darüber hinweg, dass nicht viel passiert. Und am Ende geht doch alles ganz schnell. Zack. Ein Fingerschnippen. Wahrscheinlich wirklich wie im wahren Leben. Vielleicht ist das ja das Besondere an Klassikern.
Das Buch wird dafür gefeiert, dass es die Bewohner New Yorks so großartig reflektiert, mag sein, und zeigt, dass es hinter der glamourösen und imposanten Fassade der Weltmetropole gewaltig brökelt. Nun ja, wissen wir das nicht alle?? Und ich meine, nicht erst seit das Buch 2008 erschienen ist? Irgendwelche Neuigkeiten??

Nervig kommt noch hinzu, dass die deutsche Übersetzung ein Graus ist. So viele Redewendungen, mit denen ich mich erstmal genauer befassen musste und so viele Fragezeichen am Ende von Aussagen?? Die Fragezeichen hier sollten nur ein Witz sein. Aber im Buch nerven sie auf Dauer.

Fazit

Ich hoffe, dass "Cash" nur ein Ausrutscher des Autors war. Ich kann mich der Süddeutschen in ihrem Urteil in keinster Weise anschließen.



Kommentare:

  1. Huhu :o)
    Als ich die Rezension aufmachte, war ich mir sicher gleich einen Lobgesang über das Buch zu lesen. Ich war überrascht, als ich das genaue Gegenteil las. Durch Cash bin ich damals auf R. Price aufmersam geworden. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und war verzaubert von seinem Schreibstil. Cash liegt bei mir noch länger zurück. Die Unantastbaren habe ich vor nicht so langer Zeit gelesen. Die Unantastbaren fand ich nicht so gut wie Cash. Ich fürchte Prices Stärken liegen in seiner Tonwahl und darin die Szenarien sehr authentisch darzustellen.
    Ich finde auch, dass man in beiden Büchern Parallelen zu The Wire ziehen kann. Die Erzählweise erinnert sehr an die Serie.

    Liebe Grüße Tanja :o)

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    1. Ich bin erst durch diverse Lobgesänge zu "Die Unantastbaren" auf ihn aufmerksam geworden. Vielleicht liegt "Cash" thematisch einfach zu lange in der Vergangenheit und vielleicht hätte ich es in der Originalsprache lesen sollen, damit es mir besser gefällt.
      Ich werde Price auf jeden Fall bald noch eine Chance geben ;-)

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