Donnerstag, 8. Dezember 2016

Armistead Maupin - Stadtgeschichten


"Mary Ann Singleton war fünfundzwanzig, als sie zum ersten Mal nach San Francisco kam."

(c) Rowohlt

Verlag: rororo - 339 Seiten - ISBN: 3499134411 - Veröffentlichung: 1978 - Originaltitel: Tales of the City - 1. Teil der Stadtgeschichten

Klappentext

Statt eines Klappentext, ein Zitat von Oscar Wilde:
"Es ist merkwürdig, aber von jedem, der verschwindet, heißt es, er sei hinterher in San Francisco gesehen worden."

Meine Meinung

Die Stadtgeschichten spielen, welch Überraschung nach dem Zitat von Oscar Wilde, in San Francisco der 70er (bzw. 80er) Jahre.
"Stadtgeschichten" ist nicht wie die Bücher, die ich sonst meist lese. Aber hin und wieder darf es auch mal etwas anderes sein. Auf der Suche nach alternativen Lesestoff greife ich immer wieder gerne zur "Romantherapie". Die Krankheit, bei deren Linderung "Stadtgeschichten" helfen soll ist die Einsamkeit (die durch das Lesen verursacht wird). Und die beiden Autorinnen der "Romantherapie" haben Recht: "Stadtgeschichten" eignet sich perfekt als Heilmittel gegen Einsamkeit. Nicht, dass ich während ich das Buch gelesen habe, einsam gewesen wäre, aber die Story und vor allem die Figuren sind vermutlich ein guter Beistand, wenn man einsam ist.

Die "Stadtgeschichten" sind Episoden vieler verschiedener Personen, die fast alle eines gemeinsam haben: sie leben im gleichen Haus. Und alle sind sie auf eine andere Art und Weise einsam und suchen einen Rückzugsort und finden diesen in der Barbary Lane 28, wo die Vermieterin noch Cannabis züchtet und an ihre Schäfchen verteilt. 

In kurzen Kapiteln verflechtet Maupin fast alle Personen irgendwie miteinander und das auch noch auf eine clevere Art und Weise, die mir nicht nur einmal die Kinnlade runterklappen lies. Denn: "Stadtgeschichten" endet hier und da bei seinen kurzen Kapiteln mit Minicliffhangern. Neben den Cliffhangern und Wendungen sorgen besonders die Art und Weise, wie die Protagonisten miteinander interagieren dafür, dass "Stadtgeschichten" an eine Daily Soap erinnert. Allerdings denke ich, dass das Buch die deutlich bessere Variante zu GZSZ und Co. ist und das obwohl dieser erste Teil bereits 1978 erschienen ist. Das Buch ist perfekt für zwischendurch, es ist kurzweilig und äußerst unterhaltsam. Neben bei werden die alltäglichen Probleme aus jener Zeit noch zur Schau gestellt und die Gesellschaft wunderbar dargestellt.


"Mr. und Mrs. Herbert L. Tolliver ließen ihre Orangenhaine, ihre geliebten Schnellrestaurants Sizzlers und Shakey's und ihre Saturday Evening Post im Stich, damit sie vier vergnügliche Tage in Everybody's Favorite City erleben konnten.
Am Halloween Wochenende.
Heiliger Strohsack."

Fazit

Perfekt für Zwischendurch und mit einem mir unbegreiflichen Suchtpotential - eben wie eine Seifenoper. Zum Glück gibt es mittlerweile noch 8 weitere Teile.



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