Samstag, 23. Mai 2015

José Saramago - "Kain"

"Als der Herr, bekannt auch unter dem Namen Gott, feststellte, dass Adam und Eva, wiewohl in allem äußeren anscheinend vollkommen, kein Wort von den Lippen kam, ja dass sie keinen Laut, nicht einmal den einfachsten Urlaut von sich gaben, blieb ihm nichts anderes übrig, als mit sich selbst zu zürnen, gab es doch niemanden sonst im Garten Eden, den er für den überaus schwerwiegenden Mangel zur Verantwortung hätte ziehen können, zumal die anderen Tiere, allesamt gleich den beiden Menschen Ergebnisse des göttlichen Es werde, sich schon, mit Muhen oder Brüllen die einen, mit Grunzen, Zwitschern, Pfeifen oder Gackern die anderen, einer eigenen Stmme erfreuten."

Verlag; btb - 175 Seiten - Veröffentlichung: 2009 - IBSN: 3442742862 - Originaltitel: Caim

Klappentext

In seinem letzten Roman schreibt der bekennende Atheist José Saramago kurzerhand die Bibel um und lässt den Brudermörder Kain eine ganz eigene Reise durchs Alte Testament antreten. So trifft Kain, der in der Zeit vor und zurück katapultiert wird, auf die verführerische Lilith, rettet Isaak vor der Opferung durch seinen Vater Abraham, verfolgt fassungslos die Zerstörung von Sodom und Gomorrha und findet sich zum Schluss auf der Arche Noah wieder. Immer wieder stößt er dabei auf die Erkenntnis, dass göttliches Handeln mit rationalem Denken schwerlich nachzuvollziehen ist.

Meine Meinung

Keine Sorge, der erste, o.g. Satz, ist mit Abstand der längste in diesem Buch. Sonst hätte das Buch wahrscheinlich nur 20 Sätze und wäre unerträglich kompliziert.
Wieder einmal habe ich ein Buch gelesen, nach dem ich in dem großartigen Buch "Die Romantherapie" darüber gelesen habe. Das Buch findet sich dort unter der Krankheit "Geschwisterrivalität". Zwar habe ich keine Geschwister, aber der Inhalt klang trotzdem recht unterhaltsam. Und dann auch noch von einem Literaturnobelpreisträger geschrieben, der bekennend nichts von der Kirche hält und ständig mit dem Vatikan aneinander geriet, das kann nur ein Knaller sein.

"Von einem Donnerschlag angekündigt, trat der Herr in Erscheinung. Er war anders gekleidet, als üblich, dem entsprechend, was womöglich die neue Herrschermode im Himmel war, auf dem Kopf eine dreifach Krone und in der Hand das Zepter wie einen Schlagstock schwingend."

Grau ist alle Theorie, mir hat das Buch nicht so gut gefallen.
Grundsätzlich ist die Idee, eine biblische Figur durch die Zeit und das alte Testament zu schicken, um dort Unruhe zu stiften cool. Eine Art vorzeitlicher Antiheld, immerhin ist Kain ja auch ein Mörder.

"Du weißt nicht, wie stark Engel sind, mit nur einem Finger könnten sie einen Berg versetzen, mein Glück ist, dass sie sehr diszipliniert sind, sonst hätten sie längst eine Verschwörung organisiert, um mich abzusetzen, So wie Satan, sagte Kain, Ja, so wie Satan, aber da habe ich inzwischen einen Weg gefunden, ihn zufriedenzsutellen, ab und an überlasse ich ihm ein Opfer, mit dem er sich amüsieren kann, und das genügt ihm"

Aber unterm Strich zeigt Saramago mir mit seinem Buch nicht mehr, als das alles, was in der Bibel steht, alles äußerst fragwürdig und auf einige noch fragwürdigere Weisen interpretiert werden kann. Dass dabei nicht die Logik siegt steht außer Frage. Und darüber und über Gott macht er sich lustig, auch in Form von Kain, dem Unruhestifter, der Gott mit seiner Argumentation in den Wahnsinn treibt.
Er wollte mit dem Buch wohl provozieren, aber wer sich davon im Jahre 2009 provozieren lässt, der muss schon ziemlich dünnhäutig sein. 

Fazit

Hier und da ist das Buch wirklich witzig und besonders die Dialoge zwischen Gott und Kain sind gelungen. Mehr aber leider auch nicht.


Besten Dank an btb.


Ich bleibe lieber bei Dogma :-)

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