Donnerstag, 31. Juli 2014

Das Fest der Schlangen  

"Schwester Spandex war spät dran, und als sie losrannte, quietschten die Gummisohlen ihrer Clogs auf dem Boden des Korridors zur Entbindungsstation."

Verlag: C.Bertelsmann - 543 Seiten - ISBN: 3570101541 - Veröffentlichung: 28. Mai 2013 - Originaltitel: The Burn Palace

Klappentext

Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht in der kleinen Stadt Brewster in Rhode Island: Auf der Säuglingsstation ist ein Baby verschwunden, und im Bettchen liegt eine Schlange. Aber das ist erst der Anfang, denn dann wird ein Toter gefunden, ermordet und grausam skalpiert.

Meine Meinung

Meine Güte. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so lange für ein Buch gebraucht habe. Gut, es sind 543 Seiten, aber das ist ja normalerweise ein Klacks. Warum hat es dann eine gefühlte Ewigkeit gedauert? Die erste Antwort, die mir hierauf in den Sinn kommt ist natürlich, dass das Buch langweilig und somit nicht lesenswert ist. Das ist aber mitnichten der Fall. Was dann?? 
Ich muss gestehen, dass ich hierauf keine Antwort habe. Vielleicht hat es einfach etwas gedauert, weil die Seiten so groß und der Text so klein ist..?? Jedenfalls liegt es nicht an einem einschläfernden Inhalt!!

Das Buch ist wie gemacht für Herbsttage. Also wie gemacht für Tage im Kölner Sommer 2014. Aber noch besser für die Tage vor Halloween. Genauer gesagt, für die neun Tage vor Halloween. Denn genau zu dieser Zeit spielt sich die Geschichte ab. Diese herbstliche Stimmung, frische und klare Luft, rote Blätter und auch schon Schnee, werden sehr gut wiedergegeben. Sehr gemütlich. Wäre da nicht, das entführte Baby auf den ersten Seiten. Und wäre da nicht die Schlange, die stattdessen im Bettchen liegt. Und wären da nicht die skalpierte Leiche, die Kojoten, die Menschen angreifen und wäre da nicht das totale Chaos, was von einer Sekunde auf die nächste herrscht. Der Klappentext gibt entsprechend nur einen klitzekleinen Bruchteil dessen wieder, was den Leser erwartet. Gut, so sollte es sein. Aber jeder kennt Klappentexte, die das halbe Buch vorwegnehmen. Wie ein gut zusammengeschnitter Trailer für einen miserablen Kinofilm. Was ich also sagen möchte ist, dass die Geschichte sehr komplex und vielschichtig ist. Es gibt viele Handlungsstränge und noch mehr Personen. Am Anfang kam ich hin und wieder durcheinander und es schien mir, als wäre das ganze Dorf erwähnt, aber im Laufe des Buches habe ich immer mehr Durchblick gewonnen. Dennoch dauert es eine Ewigkeit, bis man durchblickt, was vor sich geht, denn Stephen Dobyns legt viele falsche Fährten und verschleiert gekonnt, was relevant ist und was nicht.
Mich hätte es bis zum Schluss nicht gewundert, wenn sich in dieser Kleinstadt der Höllenschlund aufgetan und alle Menschen wie ein schwarzes Loch eingesaugt und den sicheren, qualvollen Tod gebracht hätte.

Stilistisch hat mir die Erzählweise auch sehr gut gefallen. Hier und da ein kurzer, flapsiger Satz, der mehr als Bemerkung oder Randnotiz wirkt, das lockert die angespannte Stimmung ein bisschen auf. Nach einigen Szenen oder Ereignissen, grade zu Beginn, wirkt es, als würde Dobyns auf seinem Regiesseurstuhl sitzen und dem Kameramann die Anweisung geben mit seinem Kran auszuzoomen und von der Kulisse weg. In diesen Situationen erzählt er, was die Bewohner des Dorfes beispielsweise zur späten Stunden machen und denken. Toll. So simpel, aber im Rückblick wirklich cool und außergewöhnlich.
Passend zum Handlungszeitraum Halloween, erfährt man einiges zum Thema "Okkultismus", über moderne Hexen / Hexer und die Unterschiede zwischen verschiedensten Ansichten, von denen ich noch nie gehört habe.


Fazit

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Vielleicht hätte es noch ein Eselsohr mehr bekommen, wenn ich es tatsächlich im richtigen Herbst gelesen hätte. Die Stimmung, die Darstellung der verschiedensten Charaktere, das Dorfleben, alles wird bravourös geschildert. 
Das Ende und der Epilog liefern Antworten auf zahlreiche ungeklärte Fragen, außer auf eine und das ist auch gut so.
Ich hatte Bedenken, als ich beim Kauf auf dem Cover und der Rückseite Zitate von Stephen King gelesen habe. Mit dem kann ich nämlich nicht sonderlich viel anfangen. Und es gibt Situationen im Buch, bei denen ich dachte "verdammt, jetzt geht es mit der Geschichte den Bach runter. Stephen King hat ein Synonym genutzt." Aber es kam anders :-) Deshalb:



Das coole Cover stammt von buxdesign

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