Montag, 15. September 2014


Gebete für die Vermissten  

„Jetzt machen wir dich hässlich, sagte meine Mutter.“

Verlag: Suhrkamp – 228 Seiten – ISBN: 3518424521 - Veröffentlichung: 15.09.2014 – Originaltitel: Prayers for the Stolen

Klappentext

Sobald die schwarzen Geländewagen der Drogen- und Menschenhändler kommen, verstecken die Mütter ihre Töchter in Erdlöchern. So wächst Ladydi auf, in einem gottverlassenen Bergdorf. Doch als sie selbst in ein übles Verbrechen verstrickt wird, erwacht ihr unbedingter Lebenswille.

Meine Meinung

Dieses Buch ist unglaublich. Jennifer Clement hat über zehn Jahre recherchiert und dieses Buch ist das wirklich unglaubliche Ergebnis.
Der Alltag von Ladydi und ihrer Mutter bzw. den wenigen Einwohnern des gemeinsten Stücks Mexikos „Guerrero“, ein kleines Bergdorf, ist so trist und bedrückend, dass ich beim Lesen nicht glauben konnte, dass dies anscheinend bittere Realität ist. Die verschworene Dorfgemeinschaft, bestehend aus Frauen und ihren Töchtern, lebt in ständiger Angst und Bedrohung und betäubender Ausweglosigkeit.
Der Beginn des Buchs hat mir wieder einmal vor Augen geführt, wie gut es mir geht bzw. wie priviligiert ich bin, dass ich solch ein Buch am Strand im Urlaub lesen kann. Ich habe mittlerweile schon einiges über den Drogenkrieg in Mexiko gelesen, beispielsweise „Die toten Frauen von Juarez“ oder „Tage der Toten“, eins meiner absoluten Lieblingsbücher. Auch in diesen beiden Büchern wird das Umfeld der Einwohner und Menschen als kaum lebensfreundlich dargestellt. Aber der Alltag von Ladydi in diesem Buch "überbietet" die Situationen. Jennifer Clement zeichnet einen Alltag, wie ich ihn mir nicht er(alb)träumen könnte. Ich weiß gar nicht, für was die Mädchen in dem Buch leben. Es gibt keine Perspektiven. Alles ist besser als das, was sie momentan vorfinden. Die ständigen Bedrohungen durch Menschenhändler, Drogendealer, versprühtes Gift durch das Militär oder giftige Skorpione sind allgegenwärtig. Und bei Bedrohungen wird es nicht bleiben..
Besonders die erste Hälfte des Buchs ist großartig und das Buch ist nicht aus der Hand zu legen.
In der zweiten Hälfte des Buches bieten sich dann doch noch Perspektiven für Ladydi. Nebenbei geschehen noch einige auf den ersten Blick bedeutungslose Ereignisse, die im späteren Verlauf der Geschichte aufgeklärt werden.
Das Buch verliert im zweiten Teil an Schwung, punktet aber durch andere Aspekte wie zwischenmenschlichen Zusammenhalt in einer neuen schrecklichen Umgebung.
Das überraschende Ende ist passend und vermittelt den Eindruck, dass die Geschichte um Ladydi ein ganz normaler Ausschnitt aus dem Leben eines mexikanischen Mädchens ist.

Fazit

Das Buch bzw. die Geschichte ist schlicht und ergreifend entsetzlich. Wenn am Ende der Geschichte noch der Hinweis stehen würde, dass alles Gelesene auf wahren Begebenheiten beruht, hätte mich das nicht gewundert. Schockierend!!



Wem "Gebete für die Vermissten" gefällt, der mag auch "Die toten Frauen von Juarez".

Mehr Informationen und besonders die Beweggründe Jennifer Clements, das Buch zu schreiben findet ihr hier.

Guerrero bei Wikipedia


Besten Dank an Suhrkamp.

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