Samstag, 7. November 2015

Steve Hamilton - Der Mann aus dem Safe

"Sie erinnern sich vielleicht an mich."

Verlag: Droemer - 460 Seiten - ISBN: 3426226219 - Veröffentlichung: 2. November 2012 - Originaltitel: The Lock Artist

Klappentext

Ich möchte hier auf den Klappentext verzichten, weil der erste Satz direkt etwas Essentielles verrät, ein großes Fragezeichen aufdeckt, was an sich erst nach über 300 Seiten beantwortet wird. Wer dennoch den Klappentext lesen möchte, kann das gerne hier machen. Ich habe es nicht gemacht und mich auf die Empfehlung von crimenoir verlassen.
Passenderweise möchte ich mich auf das Zitat auf der Rückseite aus der New York Times beschränken:

"So gut, dass einem die Worte fehlen."

Meine Meinung

Wer schon einmal einen Film gesehen hat, in dem es um kriminelle Banden geht oder Bankräuber oder so etwas, z.B. die Oceans Reihe, der weiß, dass es immer einen Typen in jeder Bande gibt, der weiß, wie man mit viel Feingefühl in den Fingern und Einfühlvermögen einen Tresor öffnen kann. Ohne viel Dynamit und ohne, dass der Tresor einen Schaden nimmt. Der "Schrankmann" regelt das ohne Krach und Rauch.

In "Der Mann aus dem Safe" geht es um so einen Schrankmann. Aber Michael, unser Schrankmann, ist nicht der klassische Verbrecher / Einbrecher, sondern er hat mehr durch Zufall gemerkt, dass er ein Talent im Öffnen von Schlössern jeder Art hat. Und er verliert nie ein Wort darüber. Das liegt allerdings an einem traumatischen Erlebnis aus seiner Kindheit (siehe Klappentext, oder eher: siehe nicht Klappentext).
Sein Verstummen, ob selbstgewählt oder Folge des Traumas, macht ihn in der Schule natürlich zu einem totalen Außenseiter, der folglich isoliert und mit wenigen Freunden aufwächst. Durch einen Zufall lernt er Amelia kennen und es entwickelt sich eine dramatische Liebesgeschichte, in der die beiden eine außergewöhnliche Möglichkeit finden, miteinander zu kommunizieren. Als wäre das nicht schon genug, rutscht Michael in den kriminellen Sumpf, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint.
Besonders die Liebesgeschichte und die Zerrissenheit und der innere Druck, den Hamilton beschreibt, haben mich an das Buch gefesselt.
Geschichten mit Außenseitern als Hauptprotagonisten gefallen wahrscheinlich den meisten Leuten. So erging es mir mit "Der Mann aus dem Safe" auch. Es ist aber eine Außenseitergeschichte, wie ich sie noch nie gelesen habe. Ein krimineller Außenseiter mit einem besonderen Talent gepaart mit einer berührenden Liebesgeschichte, die, zugegeben ein Stück weit kitschig ist, aber nicht so kitschig, dass es mich stören würde. Das Buch ist von Anfang an spannend und hat mich nicht losgelassen. Brutale, kaltblütige Szenen aus dem Alltag der Mafia folgen den ruhigeren Passagen. Dazu ein Finish, wie aus dem Lehrbuch. Ich habe zu keinem Moment einen Gedanken daran verschwendet, das Buch auch nur für eine Sekunde aus der Hand zu legen. Erst wenn meine Augen zu gefallen sind.
Dazu kommt das interessante "Handwerk" der Schrankmänner: Steve Hamilton gibt dem Leser einen detailierten Eindruck in das Handwerk, aber laut Nachwort nicht soweit, dass das Buch als Gebrauchsanweisung dienen könnte.

"Der Mann aus dem Safe hat sowohl den "Edgar Allan Poe Award", den "Ian Fleming Steel Dagger" und den "Barry Award" gewonnen.

Fazit

Was für ein tolles Buch. Für Freunde von Crimeliteratur der besonderen Art auf jeden Fall ein Lesetipp!! Für Freunde von Liebesgeschichten ebenso. Für alle anderen auch!!



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