Donnerstag, 10. November 2016

John Williams - Stoner


"William Stoner begann 1910, im Alter von neunzehn Jahren, an der Universität von Missouri zu studieren."

(c) dtv

Verlag: dtv - 349 Seiten - ISBN: 3423143959 - Veröffentlichung: 1965 - Originaltitel: Stoner

Klappentext

William Stoner, Anfang des 20. Jahrhunderts als Sohn armer Farmer geboren, sollte Agrarwissenschaften studieren, doch stattdessen entdeckte er seine Leidenschaft für Literatur und wurde schließlich Professor an einer Universität im Mittleren Westen der USA.

Meine Meinung

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie 2014 / 2015 auf einmal kein Weg mehr an "Stoner" vorbeiführte. Der Kerl war auf einmal überall. Egal ob Zeitschriften, Blogs, Fernsehen, Radio oder auf der Straße - überall sprachen die Leute von diesem großen, vergessenen Roman.

Ich habe mir ganz bewusst etwas Zeit gelassen mit der Lektüre und habe mich auch gar nicht mit dem Inhalt beschäftigt. Ich wollte mich einfach überraschen lassen.
Es gelingt John Williams sehr gut, die Stimmung der damaligen Zeit einzufangen. Und auch das Verhältnis unter einzelnen Personen oder generell in der Gesellschaft. Wenn ich mir ansehe, wie Stoner und seine Eltern miteinander interagieren und kommunizieren, wenn man das überhaupt sagen kann, dann schwillt meine Halsader an. Es passiert einfach, ohne jetzt etwas vorwegnehmen zu wollen, überhaupt nix. Niemand redet. Das Leben und der Verlauf des eigenen Lebens ist vorbestimmt. Aaaargh!! Und so war es ja früher offensichtlich. 
Stoner entwickelt sich nicht direkt zu einem Rebellen, aber er bricht ein bisschen aus, in dem er zu studieren beginnt. Und dann wird er zu einem leisen Widerstandskämpfer gegen das Alte und Vorhergesehene: er bricht das erdachte Studium ab und studiert Literatur. Etwas, wovon seine Eltern vermutlich noch nie gehört haben. 

John Williams hat mit Stoner einen einen zunächst einfälltigen und eingeschränkten Jedermann erschaffen, der durch sein Verhalten, wie oben beschrieben, aus den vorgegebenen Rahmen ausbricht. Aber er bricht nicht waghalsig mit Pauken und Trompeten aus á la James Dean, nicht draufgängerisch, sondern ruhig und bedacht. Er bewahrt stets Ruhe, auch und vor allem in seiner Ehe. Spätestens hier hat mich Williams so in Rage darüber versetzt, dass der gute Stoner nicht aus der Ruhe zu bringen ist.

So begleiten wir den genügsamen Stoner sein ganzes Leben, was bei mir während des Lesens neben der Wut auch Melancholie erzeugt hat.

Fazit

"Stoner" spaltet meine Meinung. Auf der einen Seite war das Buch natürlich kein kurzweiliger Reißer und hatte einige Längen. Aber auf der anderen Seite ist "Stoner" mit ein bisschen Abstand betrachtet eben doch ein wertvolles Buch, das im Nachhinein viel im Leser auslöst. 
Ohne den ganzen Hype und den Trubel um das Buch, wäre es mir vermutlich nicht in die Hände gefallen.

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