Samstag, 28. Januar 2017

Dennis Lehane - Am Ende einer Welt

"Ehe der kleine Krieg sie auseinanderriss, versammelten sie sich alle zur Unterstützung des großen Krieges."
(c) Diogenes

Verlag: Diogenes - 394 Seiten - ISBN: 3257069448 - Veröffentlichung: 23. September 2015 - Originaltitel: World gone by - 2. Buch mit Joe Coughlin

Klappentext

Joe Coughlin, geachteter Bürger von Tampa, Florida, und Consigliere des Bartolo-Syndikats, hat seine kriminelle Vergangenheit hinter sich gelassen, wie die Amerikaner die Prohibition.
Bis eines Tages aus heiterem Himmel ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt wird und auf dem Spiel steht, was ihm am wichtigsten ist: sein Sohn - und der einzige Freund, den er hat.

Meine Meinung

Dass ich Dennis Lehane für einen der besten (Mafia/Krimi-)Autoren und einen äußerst kreativen Kopf halte, habe ich schon ja schon zur Genüge geschrieben. Er weiß, wovon er schreibt und ist unbestritten einer meiner Lieblingsautoren.
Seinen Roman "In der Nacht" habe ich letztes Jahr in die Liste meiner Lieblingsbücher des Jahres aufgenommen und die Hollywoodverfilmung erscheint am kommenden Donnerstag in den deutschen Kinos. Umso erfreulicher für mich ist nun, dass er seinen Protagonisten Joe Coughlin noch ein zweites Mal ins Rennen schickt.
Es ist unbedingt verpflichtend vor der Lektüre "In der Nacht" zu lesen. Nicht, weil es ein tolles, packendes Buch ist, sondern weil es notwendig ist, um Zusammenhänge zu verstehen. Hier und da wird zwar ein bisschen rekapituliert, aber um die Tragik der Figur Joe Coughlin zu begreifen, braucht es den Vorgänger.
In "Am Ende einer Welt" erleben wir Joe als gelassenen Vater, der eine Enge Beziehung zu seinem Sohn Tomas pflegt. Aber auch, spätestens mit dem auf ihn ausgesetzten Kopfgeld, als gestressten und getriebenen Mann, der keine Ruhe zu finden vermag. Liegt vielleicht daran, dass er in gut einer Woche sterben soll oder vielleicht auch daran, dass das Leben in der "Branche", in der er tätig ist, wenn auch nur als "Berater", ziemlich stressig ist.


"Welche Ironie, dass der Mann, der vielleicht die Todesstrafe über Joe verhängen würde, während der letzten sieben Jahre sein Geschäftspartner und größter Gönner gewesen war. 
Andererseits war das nicht die Ausnahme, sondern die Regel in ihrem Geschäft. Feinde kamen einem nur selten nah genug, um einen umbringen zu können. Und so fiel die Drecksarbeit normalerweise den Freunden zu."

Dennis Lehane erzählt die Geschichte wieder, wie der Teufel und das Buch liest sich praktisch von alleine. Länger als 4 Tage (unter meiner 9to5-Woche, inklusive Basketball!!) habe ich nicht gebraucht. Zack, sind die knapp 400 Seiten vorbei. Viel zu schnell.
 Auf der Suche nach der Person, die Joe's Kopf will, tun sich einige Abgründe auf und Verrat und Blutvergießen stehen an der Tagesordnung. Genau wie die ein oder andere Überraschung. Eben, wie man es von einem Buch erwartet, in dem das Thema "organisierte Kriminalität" die zentrale Rolle spielt.
Nichtsdestotrotz zeichnet Lehane Joe mit vielen menschlichen Zügen. Für ihn geht es nur um das Wohl seines Sohns. Fast schon wie ein Gentlemanverbrecher a la George Clooney. Aber nur fast.

Fazit

"Am Ende einer Welt" hält, was es verspricht. (Leider) 
Das Buch ist für mich nicht ganz so gut, wie der erste Teil, aber was heißt das schon?? 5 Eselsohren bekommt es trotzdem und wahrscheinlich auch einen Platz in meinen Büchern des Jahres 2017.



Wie im ersten Teil, spielt die Geschichte auch hier wieder umrahmt von einigen realen Persönlichkeiten: Meyer Lansky, Carlos Marcello, Lucky Luciano. Abgesehen davon, dass im Hintergrund noch ein Krieg mit einem kleinen Krauttyrannen herrscht.

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