Mittwoch, 20. August 2014

Lieber Osama  

„Lieber Osama, sie wollen dich tot oder lebendig, damit der Terror endlich aufhört. Obwohl, ich weiß nicht. Mit dem Rock’n’Roll war ja auch nicht Schluss, als Elvis auf dem Lokus starb, es wurde bloß schlimmer.“

Verlag: rororo - 300 Seiten - ISBN: 349800932X - Veröffentlichung: Juli 2006 - Originaltitel: Incendiary

Klappentext

Beim wichtigsten Fußballspiel des Jahres explodieren mitten im Londoner Arsenal-Stadion mehrere Bomben. Tausend Menschen sterben. Massenpanik. Paranoia. Die Stadt ist im Ausnahmezustand. Eine junge Frau verliert bei dem Terroranschlag ihren Mann und ihren Sohn. Nach wochenlangem Krankenhausaufenthalt und Schockzustand macht sie sich in einem Brief an Osama bin Laden persönlich Luft. Und sie lässt dabei nichts aus..

Meine Meinung

Gott sei Dank ist das Buch zu dem Zeitpunkt, als ich es gelesen habe, nicht mehr ganz so brandaktuell, wie als es veröffentlicht wurde und der Anschlag auf die Londoner U-Bahn stattfand. Und auch Osama bin Laden, das personifizierte Böse, lebte noch, als Chris Cleave sein erstes Buch veröffentlichte. Und was für eins..
Ich bin nur durch Zufall auf das Buch aufmerksam geworden und habe es mir einfach mal gekauft. So lag es einige Monate auf einem Stapel Bücher und beim Koffer packen für den Urlaub hat es mich aus einem Bücherstapel heraus angelacht und so musste ich es mitnehmen. Und was soll ich sagen?? Booooom!! Das Buch ist eine Bom....ein Knaller. Es hat mich komplett aus den Schuhen gehauen und völlig überrascht. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich erstens dachte, dass das Buch unmittelbar nach 9/11 spielt und zweitens, dass ich dachte, dass es so ein typischer Briefroman ist, in dem die Hauptfigur Briefe an jemanden schreibt ohne jemals eine Antwort zu erhalten. Gut, Antworten erhält unsere „Heldin“ hier auch nicht, aber ein typischer Briefroman ist es dennoch nicht.

„Du meinst, du kennst den Dschihad? Aber ich sage dir, du hast keine Ahnung, bis du mal erlebst, was passiert, wenn man Arsenal- und Chelsea-Fans aufeinander loslässt.“

Die namenlose Hauptfigur, eine junge Mutter, wendet sich mit einem 300 Seiten dicken Brief direkt an Osama Bin Laden. Ganz persönlich. Der Brief bildet einen Zeitraum von einem Jahr nach dem Terroranschlag ab, bei dem ihr Sohn und ihr Mann gestorben sind. In dem Brief wirft sie ihm allerhand vor und schildert welchen Lauf ihr Leben durch Osamas Terror genommen hat. Immer schön duzend und mit bildlichen, alltäglichen Beispielen. Wichtig ist natürlich, dass nur Osama Schuld an ihrer Situation ist, niemand sonst. Schon gar nicht sie selbst.
Es ist bemerkenswert, wie Chris Cleave das Leben der Namenlosen und ihr Handeln nach ihrem Verlust wiederspiegelt. Sie entwickelt sich persönlich nach diesem harten Schlag weiter. Eine Weile scheint es sogar so, als gäbe es ein Licht am Horizont.. 

„Der Blitz ist schnell vorbei, aber das Feuer frisst sich in dich rein, und der Lärm hört nie auf. Du kannst dir die Ohren zuhalten, wie du willst, aber der Lärm bleibt. Das Feuer tobt weiter mit wütender Macht und unvorstellbaren Getöse. Und das Seltsamste: Die Leute, die neben dir in der U-Bahn sitzen, kriegen nicht das Mindeste davon mit.“

Die dystopischen Eindrücke, die der Terror in London mit sich bringt, sind erschreckend. Vermutlich erschreckend real.
Der Verlauf der Geschichte ist von Anfang bis Ende unvorhersehbar, was der konfusen Geschichte die Krone aufsetzt.

Fazit

Politisch so was von unkorrekt und mit scharfer Zunge auf den Punkt: Chris Cleave stellt die Gesellschaft so dar, wie sie ist. Durch eine Heldin, wie es sie noch nie gab, schildert er unverblümt, was alles falsch läuft. Dass das nicht immer lustig sein muss, ist bei diesem Hintergrund durchaus verständlich, aber herzhaftes Lachen konnte ich mir während des gesamten Buches nicht verkneifen, Sarkasmus und schwarzer Humor sei Dank.
Eine Frage stellt sich mir aber noch: Warum kennt anscheinend niemand dieses großartige Buch?? Von Chris Cleave werden wir in Zukunft sicher noch einiges hören.



Ach ja, falls das Buch mal verfilmt werden sollte, wünsche ich mir Cate Blanchett in der Hauptrolle. Sie würde, wie in „Blue Jasmin“, brillieren!!

Edit: Jetzt habe ich gesehen, dass das Buch schon veriflmt wurde :-( 
Hier ist der Link zur IMDb Seite.


Wikipedia zu Osama bin Laden 

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