Samstag, 13. Juni 2015

Don Winslow - Das Kartell

"Keller hört ein Baby schreien."

Verlag: Droemer-Knaur - 830 Seiten - ISBN: 3426304295 - Veröffentlichung: 1. Juni 2015 - Originaltitel: The Cartel - 2. Teil um Art Keller

Klappentext

Sie waren mal beste Freunde. Aber das ist viele Jahre und unzählige Tote her. Der Drogenfahnder Art Keller tritt nun an, um Adan Barrera, dem mächtigen Drogenboss, für immer das Handwerk zu legen. Er begibt sich auf eine atemlose Jagd und in einen entfesselten Krieg, indem die Grenzen zwischen Gut und Böse längst verschwunden sind: ein Krieg mit epischem Ausmaß, ein Krieg gegen die Gesetzlosen. Eine wahrhaft erschütternde, genau recherchierte Geschichte über die mexikanisch-amerikanischen Drogenkriege, über Gier und Korruption, Rache und Gerechtigkeit, Heldenmut und Hinterhältigkeit.

Meine Meinung

Endlich ist sie da, die Fortsetzung eines meiner Top5-Lieblingsbücher aller Zeiten "Tage der Toten" - "Das Kartell".
5 lange Jahre mussten wir auf die Fortsetzung des epochalen Werks warten und eines vorweg: das Warten hat sich gelohnt. Jetzt dürfen wir gespannt sein, wie die beiden Werke cineastisch umgesetzt werden.

Der Godfather of mexikanischer Drogenkrieg (zumindest literarisch) ist zurück und mit "Das Kartell" auch dieses Thema wieder in meinen Kopf. In letzter Zeit wurde das Thema ein bisschen vernachlässigt und ist in Vergessenheit geraten. (Was den Namen "mexikanischer Drogenkrieg" angeht, werden wir im Buch übrigens eines besseren belehrt.) 
Ich habe einige Bücher zum Thema gelesen und die ein oder andere Dokumentation gesehen, aber bei niemand anderem habe ich das Gefühl, das ich bei Don Winslow habe, wenn es um den Umgang mit dem Thema geht. Der Drogenkrieg ist zweifellos eines seiner Steckenpferde und eine Art Herzensangelegenheit. Nicht nur hier und in dem Vorgänger geht darum, sondern auch in einer Vielzahl seiner anderen, früheren Werke. Der Mann hat, und das zeigt sich hier nur allzu deutlich, wirklich Ahnung. Und das ist es auch, was dieses Buch ausmacht: ich habe mich sehr häufig gefragt, ob es noch ein Roman ist oder eine Dokumentation. Es ist alles erschreckend realistisch und sehr detailreich. An Punkten, an denen ich dachte "okay, grausamer und krasser geht eigentlich nicht", wurde mir aufgezeigt, dass es eben doch noch viel perverser zugehen kann. Immer und immer wieder. Solche Gräueltaten, wie in diesem Buch kann man sich eigentlich nicht ausdenken. Wer weiß, wie viel schlimmer es in Wirklichkeit noch zugeht. Bei den Folterungen haben sich mir die Nackenhaare aufgestellt. Neben den offensichtlichen Vergewaltigungen, wahllosen Morden und der Folter, sorgen vor allem die eigentlich offensichtlichen, aber doch hintergründigen Vorgänge für Kopfschütteln: die Korruption, die scheinbar das ganze Land befallen hat, aber auch die Interessen von Wirtschaft und Politik und das nicht nur in Mexiko. 

"Nicht die Bosse machen das Kartell, sondern das Kartell macht die Bosse."

Das Buch schreit förmlich von Anfang bis Ende ein Wort: "Ausweglosigkeit".
Die, ich nenne sie mal "zivile Bevölkerung" hat mit diesem Krieg nichts zu tun und am Beispiel der Journalisten in der Geschichte zeigt Winslow sehr anschaulich, wie auch Zivilisten in den Krieg miteinbezogen werden. Entweder sie nehmen Geld von den Narcos und schreiben a) nichts oder b) was die Narcos ihnen diktieren, oder sie lehnen das Geld ab und sterben. Aber erst, nach ihren Angehörigen.
Das Buch ist allen verschwundenen und getöteten Journalisten gewidmet, die Namen der Journalisten umfassen 2 Seiten und ist ausdrücklich unvollständig.
Ob dieser Kreislauf jemals gestoppt werden kann ist eine zentrale Frage unserer Zeit. Ebenso, ob dem Thema politisch genug Aufmerksamkeit gewidmet wird. Und die Antwort kann offensichtlich nur "nein" lauten.

Die Geschichte liest sich gewohnt flüssig, wobei auf der ersten Hälfte nicht viel passiert, was die Handlung vorantreibt. Aber das ist gar nicht schlimm, weil es zum einen trotzdem Spaß macht zu lesen und zum anderen erstmal geklärt werden muss, was in den vergangenen 5 Jahren nach "Tage der Toten" passiert ist. Es ist in meinen Augen also ein Muss, "Tage der Toten" vorab zu lesen. Nicht, dass es sowieso ein Muss wäre.. 
Außerdem gibt es jede Menge Nebenschauplätze, da muss weit ausgeholt werden. Aber dann... steigt nicht nur die Anzahl der verschossenen Kugeln aus den AR15 Gewehren und Uzis, sondern mit ihnen die Anzahl der Toten, der Verräter und zu gleichen Teilen auch das Tempo und die Spannung.
Allerdings hätte es auch gerne 100 Seiten kürzer sein können.

Fazit

Das Buch kommt nicht an seinen Vorgänger ran. Wie auch?? Das ist kaum möglich. Das mag aber auch an der wahrscheinlich unrealistisch hohen Erwartungshaltung liegen, dem ""Missing. New York"-Dilemma".
Das Buch ist zweifellos eine Kaufempfehlung, aber wie viele Eselsohren bekommt es? Ich entscheide mich besonders wegen der extrem hohen Ansprüche und der Tatsache, dass mich das Buch zutiefst erschüttert hat für 


Wer bisher nur die unterhaltsamen Werke "Kings of Cool" oder "Zeit des Zorns" gelesen hat, sollte sich auf einen anderen Don Winslow einstellen. Erwartet nicht den wörterspeienden Literaturakrobaten mit der flapsigen Sprache. Das hier ist etwas völlig anderes. 


Besten Dank an Droemer-Knaur


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Auf einem bekannten Videoportal findet ihr Dokumentationen und Videos von Los  Zetas und den Matazetas. Ich möchte hier auf Links verzichten, die Bilder sind teilweise ziemlich verstörend.

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