Freitag, 19. Juni 2015

Don Winslow - Pacific Paradise

"Kansas."

Verlag: Suhrkamp - 386 Seiten - ISBN: 3518461729 - Veröffentlichung: 24. Mai 2010 - Originaltitel: The Gentlemen's Hour - 2. Teil der "Boone-Daniels"-Reihe

Klappentext

Der Mord an Kelly Kuhio, Legende und Vorbild für ganze Generationen von Surfern, erschüttert Pacific Beach. Alle würden den jungen Schläger, der den Mord gestanden hat, am liebsten tot sehen. Da beauftragt dessen Anwältin ausgerechnet den passionierten Surfer Boone Daniels damit, in der Sache zu ermitteln. Der willigt widerstrebend ein, und schon bald rollt ein Tsunami aus Verrat, Korruption und blanker Gewalt auf ihn zu, der ihn - und alles, woran er je geglaubt hat - unter sich zu begraben droht...

Meine Meinung

Der zweite Teil der Reihe um den surfenden Privatdetektive Boone Daniels. Nach dem ich den ersten Teil förmlich verschlungen habe und ihn zum vielleicht besten Sommerkrimi aller Zeiten gekürt habe, habe ich mich sehr gefreut, dass ich den zweiten Teil auch direkt lesen konnte. Und wurde zunächst ein bisschen enttäuscht. Die Story plätschert ein bisschen vor sich hin, wie der Ozean in Pacific Beach...

"Es ist langweilig - es sind die trägsten Hundstage des Spätsommers, wenn Pacific Beach von Touristen überlaufen wird, die meisten Einheimischen ihr "See you in September" schon gesungen haben und sich auch der Ozean kaum noch aufraffen kann, eine Welle zu produzieren. "Kansas" mault Hang Twelve."

... allerdings nur, damit sich der Plot und besonders die Spannung auftürmen können, wie eine Welle, die am Ende im Showdown bricht und alles bereinigt. Aber bis dahin ist es ein langer Weg, auf dem alles, wie eine Welle, über Boone zusammenzubrechen und ihm alles zu nehmen droht.
Und mit alles, meine ich alles. Sogar seine Freunde aus der "Dawn Patrol", also seine Familie. Sein ganzes Weltbild wird in Frage gestellt und entsprechend weit weg ist der zweite Teil von einem lockeren Surfer/Sommerkrimi. 
Ich finde, dass das Buch ein bisschen vorhersehbar ist, von Anfang an - allerdings nicht, in welchem Umfang und wie alles miteinander verstrickt ist, was an die Oberfläche tritt. Nichtsdestotrotz, fiel es mir sehr schwer, das Buch aus den Händen zu legen, weil insbesondere Boones Situation sehr viele Möglichkeiten für einen Ausgang der Geschichte bietet. Vor allem, wenn man im Hinterkopf hat, dass es nur zwei Teile um den Privatdetektiv gibt.

"Dazu nimmt Boone noch ein passendes digitales Aufnahmegerät mit den entsprechenden Kabeln und Steckern und beschließt, dass er damit alles hat, was er für den Job braucht. Eine Kamera befindet sich bereits in seinem Besitz - die war schon in seinem Privatermittler-Starterpaket enthalten, zusammen mit Zynismus, einem Handbuch für flotte Sprüche und einem Saxophon Soundtrack."

Der Schreibstil ist mal wieder ein Genuss, die Charaktere größtenteils aus dem ersten Teil bekannt, sodass man sich fühlt, als würde man seine Freunde wiedertreffen.

Fazit


Surfen steht hier nicht im Mittelpunkt, denn im August, das habe ich gelernt, gibt es keine Wellen in Kalifornien. Dafür verlegt sich Don Winslow vermehrt auf Krimi-Elemente. Das klappt natürlich, nach meiner anfänglichen Enttäuschung, auch wie gewohnt sehr gut. Das Buch ist eben wie eine Welle.

  

@DonWinslow






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