Dienstag, 4. August 2015

Harry Crews - Florida Forever

"Als Jonathan Meechum die drei Stufen zu seinem fuchsiafarbenen Double-Wide-Trailer hinaufstieg und die Tür aufstieß, wartete Mabel, seine Frau, drinnen bereits mit in die Hüften gestemmten Händen."

Verlag: Metrolit - 323 Seiten - ISBN: 384930101X - Veröffentlichung: 18. Mai 2015

Klappentext

Südflorida, irgendwann in den Siebziger Jahren. Stump, ein ausgebrannter Kriegsveteran, kommt unverhofft zu Geld und investiert es in ein riesiges Grundstück, das er zu einem Trailer Park für Senioren ausbaut. Vor allem Rentner aus dem Norden lockt er mit falschen Versprechen nach "Forever and Forever". Doch in Wirklichkeit sollen die Alten weniger den Ruhestand genießen, als zügig und vor allem ohne Aufsehen dahinscheiden. Das ändert sich erst, als die ebenso junge wie umwerfende Too Much auftaucht. Sie gibt Stump, der bei einem Unfall eine Hand verloren hat, auf atemberaubende Weise seine Männlichkeit zurück, doch im Austausch für erotische Freuden verlangt sie die Herrschaft über "Forever and Forever", deren Bewohnern sie die Spannkraft und Vitalität der Jugend zurückgeben will. Zunächst haben ihre von der Macht des Sexus beflügelten Reanimationsmethoden Erfolg. Doch die Therapie fordert ihre Opfer und bald gibt es den ersten Toten.

Meine Meinung

Harry Crews hat mit "Florida Forever", ob gewollt oder nicht, einen Blick in die Zukunft geworfen. Die Alten leben abgeschoben und abgeschottet in Heimen, werden nicht ausreichend verpflegt und es interessiert eigentlich niemanden, was mit ihnen geschieht oder wie sie ihre Zeit bis zu ihrem Ableben totschlagen. 
Wenn von den "Armen Alten" gesprochen wird, die umher schlürfen wie eine Armee von Zombies, von Untoten, dann weiß man, wie es in dem Seniorenparadies "Forever and Forever" zugeht. Die restlichen Senioren, die noch bei klarem Verstand sind, sinnen nach über ihr Leben und verpasste Chancen und was sie alles hätten anders machen sollen. Ihr merkt also: das Thema "Alter" bildet den Fokus der Geschichte. 

"Ich habe ein Alter erreicht, in dem ein guter Schiss besser ist als ein guter Fick."

Bis die junge, vor Sex strotzende "Too Much" auftaucht und den Rentnern ihre LebensLUST zurückgeben und dem Heim neues Leben einhauchen möchte. Und ihre unkonventionellen Methoden scheinen zu fruchten. Aber ist das wirklich alles, was sie will? Den dahinsiechenden Alten ihr Leben zurückgeben? Ziemlich ritterlich...
Ich habe schon viele Bücher gelesen, auch Bücher, in denen es etwas härter und derber zugeht. Harry Crews hebt das ganze aber nochmal auf ein ganz anderes Level. Seine Sprache ist meist hart an der Grenze zur Vulgarität. Wenn ich nochmal von der "Zirkusnummer" lese, dann garantiere ich für nichts. Das ist hier und da aufmuntert, aber meistens hat es mich eher verstört.
Ich weiß nicht, was ich von dem Buch halten soll. Ich habe es zu Ende gelesen, aber ich war nie in seinen Bann gezogen und musste nie unbedingt weiterlesen. Es war mehr ein Kampf, weil ich wissen wollte, wie das Buch endet und ob es mich doch noch überrascht. Und ja, das Ende ist überraschen, aber befriedigt hat es mich nicht.
Das Buch gibt sicher viele Interpretationsansätze und übt subtile Kritik, aber was noch?? 

Fazit

Harry Crews war, so habe ich zumindest gelesen, einer der großen US-amerikanischen Schriftsteller und Kult. Dieses Buch, sein letztes, hat dazu aber sicher nicht beigetragen.



Danke an Metrolit


Passend zum Thema: Die Reflections Bilderserie von Tom Hussey

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