Dienstag, 11. August 2015

Jonathan Safran Foer "Alles ist erleuchtet"

"Mein gesetzlicher Name ist Alexander Perchow."

Verlag:Fischer - 383 Seiten - ISBN: 3596156289 - Veröffentlichung: 23. Mai 2012 - Originaltitel: Everything is illuminated 

Klappentext

Ein junger Amerikaner reist durch die Ukraine. Lebt sie noch, die Frau, die seinem jüdischen Großvater während der Nazizeit das Leben gerettet hat? In einem klapprigen Auto macht er sich auf die Suche nach einer gespenstischen Vergangenheit. Seine Reiseführer sind ein alter Ukrainer und dessen Enkel Alex, der ein herrlich verrücktes Englisch spricht. 

Meine Meinung

Quizfrage: Was ist momentan extrem angesagt und nicht nur das Hobby älterer Menschen?? Ja, Lachyoga stimmt sicher auch, aber die gesuchte Antwort lautet natürlich "Ahnenforschung". 

So kommt es also, dass ein junger Amerikaner, Jonathan Safran Foer, in die Ukraine reist und forscht. (Foer ist wirklich auf eine solche Reise gegangen.)
Mit von der Partie auf dieser wahnwitzigen Odyssee sind sein ukrainischer Dolmetscher Alex und als Fahrer dessen Großvater Alexander, sowie der Blindenhund des Großvaters (also des Fahrers), Sammy Davies jr. jr.. Warum ein Fahrer einen Blindenhund hat?? Lange Geschichte..
Die erste Hälfte der Geschichte ist unglaublich absurd und witzig. Das liegt daran, dass Alex seine Sprachkenntnisse vor allem aus Büchern hat, was zur Folge hat, dass er ein sehr "spezielles" Englisch spricht (ich habe das Buch auf deutsch gelesen). Erinnert mich ein bisschen an Borat. Aber nicht nur wie er redet / schreibt, sondern vor allem, was er zu Beginn erzählt treibt mir fast die Tränen in die Augen.

"Lwow ist groß und übereindruckend, aber nicht wie Odessa. Odessa ist sehr schön, mit vielen berühmten Stränden, wo Mädchen auf dem Rücken liegen und ihren erstklassigen Busen zeigen. Lwow ist wie New York in Amerika. New York ist in Wirklichkeit nach dem Beispiel von Lwow gebaut worden. Es gibt viele sehr hohe Häuser (manche haben sechs Stockwerke) und sehr viele Straßen (in die bis zu drei Wagen passen) und viele Handtelefone."

Die zweite Hälfte wendet sich die Geschichte komplett. Man sieht selbstverständlich, worauf die Geschichte hinführt, aber mit welcher Wucht, das war nicht abzusehen. Foer schildert sehr bewegend, welche menschlichen Tragödien sich im zweiten Weltkrieg in dem jüdischen Dorf, in dem sein Großvater lebte, abgespielt hat und was aus dem Dorf geworden ist. Eigentlich unbeschreiblich, aber Foer macht es und schafft es.

"Versuche immer so zu leben, dass du immer die Wahrheit sagen kannst"

Ich bin ein Fan von Foer und seinen Geschichten. Vor allem aber, bin ich ein Fan, seiner Erzählstrukturen. So zaubert er auch hier wieder ein kreatives Konstrukt vor wahrem geschichtlichen und auch persönlichen Hintergrund.
1. Es geht um das jüdische Dorf, in dem sein Großvater lebte. Von Anfang an.
2. Es geht um den Roadtrip mit Alex und Alexander und Sammy Davies jr. jr.. 
3. Es geht um die Briefe zwischen Alex und Jonathan nach der Reise.
Und wie durch ein Wunder, zwirbelt Foer alles zusammen. 

Fazit

Das Buch lässt sich, obwohl ich am Anfang bei der Geschichte des jüdischen Dorfes ein bisschen stockte, gut lesen, allerdings ist es mir 
 teilweise ein bisschen zu langatmig. Die emotionale Wucht und die Kreativität Foers sind außergewöhnlich!!





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