Freitag, 16. Oktober 2015

Declan Burke - Absolute Zero Cool

"Der Mann am Fuß meines Bettes ist zu gut angezogen, um etwas anderes zu sein als ein Anwalt oder ein Zuhälter."

Verlag: Nautilus - 316 Seiten - ISBN: 3894017937 - Veröffentlichung: 27. August 2014 - Originaltitel: Absolute Zero Cool

Klappentext

Ein Mörder entsteigt einem unvollendeten Manuskript und setzt den Autor unter Druck: Karlsson, als Euthanasie betreibende Krankenhaus-Aushilfe entworfen, reicht es. Er verlangt, dass das Manuskript zu Ende geschrieben und seine Rolle darin verändert wird. Der Autor geht im Scherz darauf ein, ohne zu ahnen, dass sein Protagonist nicht nur ein Krankenhaus in die Luft jagen, sondern auch die reale Existenz des Autors gefährden wird.

Meine Meinung

Ich habe letztes Jahr schon auf einigen Blogs Meinungen zu dem Buch gelesen. Und das Interessante hierbei war, dass die Hälfte der Blogger das Buch hassen und die andere Hälfte es für einen Geniestreich hält.
Gekauft habe ich mir das Buch dann erst vor kurzem auf der CrimeCologne. Die vorgetragenen Textpassagen und die Art und Weise, wie sie vorgetragen wurden, waren einfach zu gut, zu unterhaltsam und tiefsinnig, einfach zu brilliant um das Buch zu übergehen. Ich musste mir also eine eigene Meinung bilden.

"Aber er hört nicht zu."

"Absolute Zero Cool" ist auf jeden Fall anders als alle anderen Krimis, die ich bisher gelesen habe. Auf der CrimeCologne fiel immer wieder der neu geprägte Begriff "Comic-Noir". Für diesen Begriff kann Declan Burke laut eigener Aussage nichts, aber treffender kann man das Buch eigentlich nicht beschreiben.
Es ist wirklich absurd lustig, aber auf der anderen Seite auch sehr dunkel. Und vor allem sehr doppeldeutig und philosophisch. Passenderweise gibt es auch ständig Verweise auf die griechische Mythologie und Götter von A-Z.
Besonders wenn Karlsson aka Billy (Karlsson nur platinblond, einäugig und ein paar Zentimeter größer) unaufhaltsam beginnt, sein Leben so umzuschreiben, wie es ihm gefällt und den Autor so zum Zuschauer macht.
Wir haben also vordergründig mit zwei Protagonisten zu tun:

1. Der Autor: völlig überfordert von seinem Leben und dem enormen Druck, den er sich selbst auferlegt und folgerichtig extrem gestresst.

2. Karlsson aka Billy: logisch, gesellschaftskritisch, philosophisch, narzistisch und asozial.*

Die große Frage ist jetzt, wer setzt sich letzten Endes durch, Karlsson oder der Autor?? Und wird das Krankenhaus explodieren??

Fazit

"Absolute Zero Cool" macht es mir echt schwer. Das Buch bietet einige witzige Dialoge, bei denen ich mich vor lachen kaum aufrecht halten konnte. Wirklich feinsinnig und gut durchdacht. Aber auf der anderen Seite enttäuscht es mich. Es verliert im Laufe der Geschichte an Unterhaltungswert. Je mehr Karlsson die Kontrolle in die Hand nehmen kann, desto anstrengender wird es, das Buch zu lesen. 
Das Ende ist mir außerdem zu vorhersehbar. Also völlig gegen den Anspruch, den die Story, besonders zu Beginn hat. Schade!!


Nichtsdestotrotz werde ich auch in Zukunft die Bücher von Declan Burke lesen. Sein Schreibstil ist sehr interessant und verdient auf jeden Fall noch eine Chance.

*Ist Declan Burke selbst Karlsson?? Auf der CrimeCologne hat er erklärt, wie der Name der Figur entstanden ist. Karlsson klingt ja an sich schon sehr skandinavisch und ist tatsächlich dem Boom um schwedische Krimis geschuldet, der während des Verfassens des Romans herrschte. Und Karlsson, weil sein Vater Charles heißt. Steckt also ein Karlsson in Declan Burke?? Ist das Buch autobiografischer, als er zugeben möchte?? "Ein Krankenhaus würde ich nie in die Luft jagen", so Burke auf der CrimeCologne.

"Absolute Zero Cool" ist der erste ins Deutsche übersetzte Roman von Declan Burke. Der Roman wurde den früher erschienen Büchern vorgezogen, weil er so besonders ist. Als nächstes folgt "The Big O".

Absolut lesenswert: Sein Blog "Crime always pays" (wird übrigens genau wie "The Big O" im Buch erwähnt). Außerdem hat Burke an dem Buch "Books to die for" mitgearbeitet.


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